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Mit Umwegen zu Arning Bauunternehmung

Auslandserfahrungen sammeln, steht bei jungen Menschen hoch im Kurs. Auch ich durfte diese Erfahrung in meinem Leben machen. Job und Wohnung wurde gekündigt und auf geht’s ins Abenteuer – ins Land des Polarlichtes und der Elche. Während des Fluges habe ich meine ersten 4 Wörter norwegisch gelernt (ja-nein-Danke-bitte). Auf Norwegisch heißt das: ja-nei-takk-værsågod.

Wie unkompliziert und einfach meine Anreise und meine Beweggründe waren, wird mir bewusst, wenn ich andere Lebensläufe hörte. Zwischen meinem Heimatort verlassen und Ankunft am Kaffeetisch in Norwegen - lagen ca. 8 Stunden.

Mebrahtu ist mein Arbeitskollege. Er kommt gebürtig aus Eritrea. Seine Anreise hat fast 2 Jahre gedauert. Was es heißt für einen Flüchtling nach Deutschland zu kommen und letztendlich bei Arning Bauunternehmung zu landen, wird in diesem Blog einmal verdeutlicht. Ankommen in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache, bei fremden Menschen, mit fremder Kultur und fremden Essen. Alleine!

Um zu verstehen, warum Menschen aus diesem Land flüchten, welche Beweggründe sie haben, muss man ein wenig in die Geschichte Eritreas eintauchen. Ich vergleiche das ein ganz wenig mit der ehemaligen DDR. Wer einmal im System drin ist, kommt so schnell nicht wieder raus.

Kurzfassung Geschichte Eritrea

Eritrea gehört zu den schwächer besiedelten und zu den ärmsten Ländern der Welt mit ca. 6,5 Mio Einwohnern. Es gibt 9 Nationalsprachen. Das Regierungssystem zählt zu den repressivsten in Afrika. Grundrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rundfunk, Fernsehen unterliegen staatlicher Kontrolle. Es gibt nur eine Partei und der Präsident Isayas Afewerki ist seit 1993 an der Macht. Nach dem 30-jährigen Unabhängigkeitskrieg (1961-1991) gibt es immer wieder Konflikte mit Nachbarstaaten. Der letzte Krieg gegen Äthiopien 1998-2000 war verheerend. Die Folgen sind weitgehende Militarisierung der Bevölkerung unabhängig vom Alter d.h. Einführung zeitlich unbefristeten Militärdienst. Dabei werden Jungen als auch Mädchen im Alter von bereits 16 Jahren eingezogen und gegen ihren Willen Jahrzehnte zwangsrekrutiert. Diese Perspektivlosigkeit und die menschenunwürdigen Verhältnisse führten zur Massenflucht und zur Entstehung organisierten Menschenschmuggels.

Das bin ich … und das ist meine Geschichte

Mebrahtu

Ich heiße Mebrahtu und bin in der Nähe der Hauptstadt Asmara in Eritrea mit zwei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. Meine Muttersprache ist Tigrinisch. Ich spreche aber auch Amhrigna und verstehe ein wenig Arabisch. Meine Englisch-Kenntnisse sind ungefähr Schulklassen-Niveau 8.Klasse. Mit 18 Jahren bin ich mit ein paar Freunden zu Fuß und teils mit dem Auto zur Grenze Sudans gelaufen. D.h. tagelang laufen, nachts laufen und draußen übernachten. Im Sudanischen Grenzgebiet angekommen, werden “Fahrer“ (auch “Schleuser“ genannt) organisiert, die einen versprechen zu fahren.

Menschenschmuggler sind keine barmherzigen Menschen, die einen helfen wollen ins gelobte Land zu reisen. Es sind Menschen die dich erpressen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Wir sind nur eine Ware, die zu bezahlen und sich zu fügen hat. Ich saß mit Freunden und anderen Flüchtlingen zum Teil gefesselt an Ketten und vollkommen der Willkür der Schleuser ausgeliefert, dicht gedrängt auf dem Anhänger eines Autos.

Wir sind dann tagelang mit dem Auto nach Ägypten bis zur Israelischen Grenze gefahren. Nach Ankunft im Grenzgebiet zu Israel wurde ich von der Polizei aufgegriffen und in Gewahrsam genommen d.h. das waren meine ersten 16 Tage Gefängnis in meinem Leben. Das zu beschreiben, kann ich nicht in Worte fassen.

Es fühlte sich keine Botschaft für mich zuständig deshalb wurde ich zur Hauptstadt gefahren. Das bedeutete für mich weitere 6 Monate Gefängnis – diesmal in Kairo.

Wieder fühlte sich keine Botschaft zuständig. Aus politischen Gründen wurde ich nicht wieder ins Heimatland Eritrea geschickt sondern wurde mit dem Flugzeug nach Äthiopien geflogen – also zum Nachbarland von Eritrea unserem ehemaligen Kriegsgegner. Ich blieb für ca. 4 - 5 Monate in Äthiopien und hielt mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser bis ich genügend Geld besaß um mich erneut auf den Weg zu machen.

Wieder mit mehreren Menschen auf einem überladen Truck. Diesmal habe ich eine andere Route gewählt. Wir sind dann ca. 4 Monate nonstop Tag und Nacht durch die Wüste gefahren. Mein Platz war zwischen Menschen, Benzin- und Wasserkanistern. Zuerst durch den Sudan und dann weiter durch Libyen Richtung Küste nach Tripolis. Die Wüste ist eine Todeszone. Man sieht viele Skelette von Menschen, die es nicht geschafft haben.

In Libyen musste ich ca. 2 – 3 Monate ausharren um auf ein Boot zu gelangen, das uns dann nach Malta fahren sollte. Wir waren ca. 200 Personen auf dem überladenen und überfüllten Boot. Mein Platz war unter Deck ohne Lüftung. Es war extrem stickig. Wir hatten mehrere Tage schweren Seegang und so manch einem wurde schlecht und musste sich ständig übergeben. Malta wollte keine Flüchtlinge mehr aufnehmen und so wurden wir mit Polizei-Eskorte bis nach Italien begleitet.

Angekommen in Italien wurden wir in Bussen nach Rom gefahren. Unterkunft in einem Flüchtlingscamp. Dort blieb ich ca. 4 - 6 Wochen.

Von Rom ging es dann mit dem Zug weiter durch Frankreich nach Paris. Dann hieß es umsteigen und weiter mit dem Zug von Paris nach Köln.

Dort wurden wir von der Polizei empfangen, registriert und verteilt. Ich kam in ein Flüchtlingsheim nach Dortmund. Einen Tag später wurde ich umquartiert in ein anderes Flüchtlingsheim. Dort blieb ich ca. 4 Wochen bis die Behörden eine neue Aufteilung der gestrandeten Flüchtlinge vornahmen. Für mich hieß das umziehen nach Steinfurt. Mir wurde eine Wohnung zugeteilt, wo bereits 3 weitere Flüchtlinge wohnten.

In Deutschland bekam ich einen 8-monatigen Sprach-Intensivkurs. Die deutsche Sprache zu lernen war für mich schwer aber mittlerweile komme ich gut zurecht.

Dank der guten Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Behörde und Wirtschaft konnte ich bei Arning Bauunternehmung eine Ausbildung als Maurer absolvieren.

Mein Weg war lang und beschwerlich. Sich auf dem Weg zu machen und nicht wissen, wo er endet oder ob er überhaupt endet, war sehr belastend für mich. Meine Emotionen auf dieser Reise bzw. Flucht sind kaum zu beschreiben. Sie reichten von tiefster Verzweiflung, Angst, Resignation, vollkommende Erschöpfung, Hilflosigkeit und “Alleingelassen“ bis ich möchte nur etwas essen und trinken.

Heute bin froh, dass ich den Mut hatte - aufzubrechen. Ich bin dankbar für das was Deutschland und Arning Bauunternehmung mir ermöglicht hat. Ich fühle mich bei Arning Bauunternehmung sehr wohl, gut integriert und toll unterstützt.

Letztes Jahr war mein Highlight nicht nur meine bestandene Prüfung als Maurer in einer fremden Sprache sondern ganz besonders, dass ich mir und meiner Familie ein Wiedersehen in Äthiopien ermöglichen konnte. Meine Eltern und Geschwister nach 6 Jahren endlich wiederzusehen war unglaublich - emotional.

Multikulturelle Fachkräfte sind bei Arning Bauunternehmung willkommen

Bei Arning Bauunternehmung sind ca. 13 % Arbeitnehmer beschäftigt, die nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Multikulturell heißt auch: vielseitig, andersartig, verschieden, interkulturell. “Multkulti“ ist eine Bereicherung und gehört zur Horizont-Erweiterung. Sei es kulinarisch, sprachlich, kulturell oder auch fachlich. Man kann gegenseitig voneinander lernen.

Arning Bauunternehmung ist sich dessen bewusst und ist nicht nur ein Chancengeber und Motivator für “Einheimische“ und junge Auszubildende sondern ist auch gerne bereit Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern mit den entsprechenden Voraussetzungen Perspektiven zu geben. Fehlende Qualifikationen können erlernt und erarbeitet werden.

Dazu kann ich nur sagen:
Team Arning schafft alles - #nevergiveup

Mein nächster Blog handelt von: Was ist Erfolg?